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Einige spüren den Regen, andere werden nass - some feel the rain, others get wet

Von BBB Johannes Deimling mit Jugendlichen der tjg Theaterakademie
Premiere 13. April 2018, Kleine Bühne am tjg theater junge generation Dresden



trailer

Einige spüren den Regen, andere werden nass (some feel the rain, others get wet)

Konzept & Regie: BBB Johannes Deimling
Dramaturgie: Ulrike Leßmann
Musik, Sound, Medien: Matthias Pick
Ausstattung: Wiebke Müller

Spieler: Alica, Lisa-Charlotte, Marie, Maybritt, Paula Carlotta, Frida, Luise, Lina, Frieda, Emilia, Julia, Sontje, Annika, Jannes, Mathilde, Linda, Oskar.

Premiere: Freitag 13.04.2018, 19:30

Weitere Vorstellungen:
Samstag, 14.04.2018, 19:30
Montag, 16.04.2018, 10:00
Dienstag, 17.04.2018, 18:00
Mittwoch, 18.04.2018, 19:30
Donnerstag, 19.04.2018, 10:00
Donnerstag, 30.05.2018, 10:00
Samstag, 02.06.2018, 17:00
Donnerstag, 23.08.2018, 18:00
Mittwoch, 29.08.2018, 10:00
Donnerstag, 31.08.2018, 10:00
Samstag, 1.09.2018, 16:00

Tickets: +49 (0)351 32042777 oder per Email: theaterkasse@tjg-dresden.de


Einige fühlen den Regen, andere werden nass - oder wie sich das Wesen in mir breit machte.

Regen ist die Gießkanne der Natur. Er kommt, wann er will und wie er will, es gibt lauten Regen, leisen Regen, starken und schwachen Regen und manchmal auch unsichtbaren Regen, dann erkennt man ihn nur an den Spuren die er auf den kalten, toten Beton hinterlässt. Wenn du im Regen stehst, kann es schmerzhaft sein, wenn er auf deine Haut prasselt, es kann aber auch ein ganz sanftes Gefühl sein, fast so als würden die Wolken uns mit tausend Küssen bersähen. Doch warum spüren wir das? Wieso sind wir für ganz sanfte, winzige Dinge so empfänglich?

Wenn ich im Regen stehe und die Tropfen beobachte, wie sie in die Pfütze hüpfen, fällt mir auf, das es aussieht als würde die Pfütze glitzern und die Regentropfen sind keine Tropfen mehr, sondern winzige Diamanten, die vom Himmel auf die Erde springen. Die Natur hält viele solcher wunderschönen Schauspiele für uns bereit, doch wir müssen sie selbst entdecken. Wenn man nicht hinschaut, dann sieht man’s nicht. Also schau hin! Das ist leichter gesagt als getan, gerade heute in unserer sehr schnellen Welt. In der es immer darum geht besser zu sein, es gibt nur ein gut oder schlecht und wir müssen versuchen so gut wie möglich zu sein. Doch ist das wirklich das, was wir wollen?

Ich ertappe mich seit neuesten immer öfter dabei, wie sich in meinem Körper eine Sehnsucht breit macht. Es ist schwer in Worte zu fassen, aber es ist eine Sehnsucht, die nach Abwechslung strebt. Irgendwas ist da in mir, was sich gegen die Schnelllebigkeit des Alltags stellt, es versucht mir die Augen zu öffnen für die kleinen besonderen Dinge. Es wünscht sich, dass ich Dinge beobachte und auf Dinge achte, die mir vorher nie aufgefallen sind, es ist fast so, als würde man versuchen mich auf Momente des Alltags bewusst achten zu lassen.

Vor ungefähr einem Jahr war es mir relativ egal, was da um mich herum passiert. Ich habe gemacht was man von mir verlangt hatte und wenn die anderen damit zufrieden waren, dann war ich es auch. Ich habe relativ wenig über das Leben nachgedacht und nie versucht mich irgendwo zu verorten. Alles war so, wie es halt eben war. Doch aus irgendeinem Grund sollte das nicht so bleiben. Jedenfalls kam es dazu, dass ich mich im TJG für die Inszenierung „Manche fühlen den Regen, andere werden nass.“ eingetragen hatte. Performance hieß das ganze. Ich hatte keine Ahnung was mich erwartet und konnte mir unter diesem Begriff nicht einmal annähernd etwas vorstellen. Und auch heute kann ich es nicht definieren. Aber genau das ist es ja. Ich kann etwas nicht erklären oder definieren, sondern mache es einfach. Wenn mich meine Freunde fragten, was ich hier jeden Mittwoch mache, dann antworte ich immer mit „Keine Ahnung, Kunst halt“, doch mittlerweile weiß ich das es viel mehr ist als etwas was man einfach macht, um danach wieder unberührt in den Alltag zurückzukehren. Es ist wie Urlaub für die Seele, etwas bei dem man den Alltag vergessen kann, danach fühle ich mich immer, als hätte ich
geschlafen, nicht so eine Art von Schlaf der auf brutale Art und Weise vom Wecker unterbrochen wird, sondern eher wie ein Moment der Zufriedenheit, in dem die ganze Last die auf meinen Schultern liegt, abfällt. Ja, es fühlt sich fast so an, als würde in mir ein kleines Wesen sitzen, was schon immer da war und nun die Möglichkeit hat sich wirklich zu entfalten und zu leben wie es will.

Unsere Gruppe ist mittlerweile zu einer richtigen Gemeinschaft geworden, in der jeder auf seine Art und Weise besonders ist. In dieser Gemeinschaft kann jeder so sein, wie er möchte, da gibt es keine Peinlichkeiten oder Ängste mehr, man braucht sich nicht zu verstellen, wie das im Alltag so oft gefordert wird. Wir sind alle anders, doch dann gibt es eine Sache, die uns alle verbindet, an der wir alle gemeinsam arbeiten und das ist unsere Inszenierung. Ganz am Anfang waren wir alle vom Alltag voll gestopfte Gläser die komplett geleert und dann mit ganz einfachen zugleich wichtigen und grundlegenden Dingen langsam wieder gefüllt worden. Wir waren wie Roboter die versucht haben so zu arbeiten wie man das verlangt: FEHLERFREI. Und nun?

Ich nehme mein Umfeld ganz anders wahr. Ich bin viel offener geworden und schaffe es mich voll und ganz auf die scheinbar winzigen und doch so wundervollen Dinge dieser Welt zu konzentrieren. Ich habe ein ganz neues Körperbewusstsein entwickelt und schaffe es nun ganz kreativ an Probleme heranzugehen und selbst die mir bekannten alten Dinge, noch einmal völlig neu zu entdecken.

Ich freue mich deshalb um so mehr, jede Woche in den komplett schwarzen Probenraum zu treten und alles andere auszuknipsen. Back to the Roots. Ganz weit weg vom Stress, eintauchen in eine Welt, etwas machen, was einen beflügelt und freimacht, es ist eine Welt, in der ich mich völlig neu erfinden kann.

Ich habe in den letzten Wochen und Monaten viel mehr über die Welt gelernt als in den
letzten 5 Jahren und weiß jetzt was es bedeutet Mensch zu sein. Nach erneutem Lesen fällt mir, auf das der Text ziemlich philosophisch geworden ist und dem ein oder anderen mag es vielleicht übertrieben vorkommen, aber ich hab geschrieben was, mir in den Kopf kam und deshalb bin ich mir auch sicher, dass ich es genauso auch meine deswegen lass ich es auch so und werde es nicht ändern genauso wie ich mich nicht ändern werde. Also in einem Satz: Mach was aus deiner Chance zu LEBEN.



photo: Marco Prill (tjg) photo: Marco Prill (tjg) photo: Marco Prill (tjg) photo: Marco Prill (tjg) photo: Marco Prill (tjg) photo: Marco Prill (tjg) photo: Marco Prill (tjg) photo: Marco Prill (tjg) photo: Marco Prill (tjg)