Rot ist das Girren deines grünen Vogels.

(Red is the cooing of your green bird.)
Exhibition 12. April – 26. May 2024
Gmünder Kunstverein, Schwäbisch Gmünd, Germany
Vernissage: 12. April 2024
Opening speech by Marie-Luise Lange
“Mysterious Barricades #1”, performance by BBB Johannes Deimling

“The perfectly conceivable green bird, your bird, makes itself known to us in a way, neither singing nor whistling, but as a red, colorful sound.
The visual and the acoustically reminiscent touch very quietly forms an almost synaesthetic connection.
The surreal and the grotesque momentarily flash up and mobilise our imagination.”

Marie-Luise Lange

Eröffnungsrede von Marie-Luise Lange

Eröffnungsrede zur Ausstellung „ROT IST DAS GIRREN DEINES GRÜNEN VOGELS“ von BBB Johannes Deimling im Kunstverein Schwäbisch Gmünd.

„Rot ist das Girren deines grünen Vogels“ – ein Kurt Schwitters entlehntes Zitat.

Es gibt Sätze und Bilder, die lassen uns nicht wieder los, sie beschäftigen uns. Sie versetzen uns in einen schwebenden Zustand. Denn sie eröffnen einen eigenartig fragenden und vielleicht etwas verrückten Blick auf uns und die Welt. Solche Sätze erweisen sich in den a-poetischen, krisengeschüttelten Fährnissen des Alltags als ein außergewöhnliches Geschenk.

Was heißt das – „Rot ist das Girren deines grünen Vogels“?

Der durchaus vorstellbare grüne Vogel, Dein Vogel, macht sich uns also auf eine Weise, wohlgemerkt, weder singend noch pfeifend, sondern als roter, als farbiger Sound girrend, bemerkbar. Ganz leise berühren sich Visuelles und akustisch Erinnertes, um eine nahezu synästhetische Verbindung einzugehen. Surreales und Groteskes blitzen momenthaft auf und mobilisieren unsere Phantasie.

So etwas passiert, wenn man nur allein die Titel von Johannes Deimlings Performances oder Kunst Filmen liest, die sich auf Englisch immer noch etwas skuriler anhören, als in ihrer deutschen Übersetzung:

„A rollingsstone gathers no moss“ – „Ein rollender Stein setzt kein Moos an“,
„One day I’m gonna make onion cry“ – „Eines Tages werde ich Zwiebeln zum Weinen bringen“ oder
„A cow won’t eat foxes when the grass is dry“ (Film) – „Eine Kuh will keine Füchse fressen, wenn das Gras trocken ist“.

Da wir aus der Sprachwissenschaft wissen, dass Wörter ohnehin nur bedingt Bedeutungsübereinkünfte darstellen, eröffnet sich hinter solchen Sätzen eine Welt, die facettenreich, bunt und schwer zu fassen ist. Und damit kommen wir zum Eigentlichen – zur Ausstellung des Künstlers BBBJohannes Deimling, dessen künstlerische Arbeiten genau diese Lücke zwischen unserer vermeintlichen Weltkenntnis und verspielten Phantasiegebilden auf magische Weise füllen.

Bevor ich jedoch zur Vorstellung des Performers Johannes Deimlings und zur Einführung in sein Werk komme, möchte ich Sie darauf aufmerksam machen, dass Sie die Präsentation der fotografisch dokumentierten Performances und die gezeigten Videos nicht ohne die symbiotische Zusammenarbeit des Künstlers mit seiner Frau Monika erleben könnten. Die Fotografin Monika Deimling dokumentiert seit mehr als einem Jahrzehnt die Performances des Künstlers und hat mit ihrem unbestechlichen Blick für das Besondere, das Genre der Performancefotografie weiterentwickelt. In den Kunstvideos agiert sie als Performancepartnerin des Künstlers und zeigt darüber hinaus ein außerordentlich großes Geschick im Komponieren von Bildern und im Nachbereiten der Videos. Also gehört unser herzlicher Dank für diese wundervolle Ausstellung auch ihr, Monika Deimling!

Der gebürtige Andernacher Johannes Deimling tritt seit fast 40 Jahren – genauer seit 1988 – als Performancekünstler auf. Er hat sich in dieser Zeit in der internationalen Performanceszene einen äußerst geachteten Namen erarbeitet, denn seine Auftritte ziehen sich von Kanada bis nach Skandinavien und in andere europäische Länder wie Polen, Tschechien, Spanien, Niederlande, Deutschland bis in den Nahen Osten nach Israel sowie zum Balkan, wo er seit etlichen Jahren im albanischen Tirana ein immer wieder gern gesehener Gastkünstler und Workshop-leiter ist.

Deimling erstaunt einerseits als Performancekünstler mit immer neuen, äußerst überraschenden, zum Denkfühlen anregenden Performanceauftritten, andererseits aber auch als

Performancelehrender, der nicht nur junge Künstler*innen auf ihrem Weg in die Professionalität begleitet, sondern kunstbegeisterten Jugendlichen und Erwachsenen die intensive Kraft des Performativen am eigenen Körper erfahren lässt.

Beginnen wir damit zu fragen – was ist eigentlich Performance Art und weiter – welche Besonderheiten zeichnen die Performances von BBB Johannes Deimlings aus?

Der Begriff Performance bezieht sich – ganz allgemein – auf das Flüchtige, das sich in Prozessen, Vorgängen und Ereignissen äußert. Performative Akte vollziehen wir alle, indem wir laufen, sitzen, tanzen und schreibend oder kritzelnd Spuren hinterlassen uvm. Sie verdeutlichen, dass menschliches Wissen nicht nur verbal und begrifflich, sondern ganzheitlich, praktisch, durch Körpersprache, in Bildern, durch Mimik und Gestik sowie über räumliche und akustische Situationen angeeignet wird.

Was ist nun das Besondere an Performance Art?

Die von den Agierenden live vollzogenen körperlichen Handlungen entwickeln sich als eine Art Montage aus aneinandergereihten Bildern, Sound- und Sprach-elementen sowie dem erfahrenen Raum. Alle diese intermedialen Aspekte zusammengenommen führen zu einer neuen, zunächst „unscharf“ bleibenden Kombination von Sinnlichkeits- und Sinnebenen. Denn das, was uns im performativen Ereignis widerfährt, ist das sogenannte „Andere“ des Denkens, das sich in keine Kategorien, einfache Metaphern oder Zeichen pressen lässt. Es setzt auf die „Einzigartigkeit des Augenblicks, der sprachlos macht“. (Mersch 2002, 11) Das bedeutet auch, dass Ausdeutungen und Lesarten von Performances, welche Johannes Deimling als „agierte Bilder“ bezeichnet, nur im Zustand des Bruchstückhaften und Fragmentarischen verbleiben.

In diesem künstlerischen Prozess blitzt eine „Differenz“ auf, die keinen Namen duldend aus der Fassung bringt und sich begrifflichem Zugriff entmächtigt. (vgl. Mersch 2002, 11). Das allerdings ist – so meine Behauptung – der Kern von Kunst und Kunsterleben überhaupt.

Denke ich an Johannes Deimlings Performances fällt mir als erstes seine schlanke, drahtige Gestalt und seine äußerst wache, Spannung erzeugende Präsenz während seiner Aktionen ein. In ihnen handelt er als Kunstfigur BBB, die konzeptionell geplant, aber dennoch situativ und augenblicksgesteuert agiert. Gerade dieser Modus, in welchem der Künstler als quasi neutrale, weil handelnd-zeigende Instanz auftritt, bildet den stabilisierenden, auf äußerste Aufmerksamkeit zielenden Rahmen seines künstlerischen Performanceprogramms.

Neben seinem unvergleichlichen Aktionshabitus leben Deimlings Performances vom Charisma der verwendeten Farben und der Einzigartigkeit seiner Bildmotive und Geräuscherfindungen. Der Künstler braucht eigentlich sehr wenig, um eine bestimmte sinnliche Atmosphäre zu konstituieren. Er performt meist barfuss und ist während der Aufführungen mit weißem Hemd und weißer Hose bekleidet. Indem seine zurückhaltend gekleidete Person in gewisser Weise neutralisiert wird, gebärdet sich jede in den Aktionen verwendete Farbe bereits als intensiver Akzent. So, wenn sich der Künstler beispielsweise wie bei der Performance One day I’m gonna make Onion cry #5 (Rehlovice 2019) Wasser in die Taschen seiner weißen Hose gießt und die Flüssigkeit als grüne und blaue Bäche hervortretend, Spuren auf der Kleidung hinterlässt oder wenn ihm in der gleichen Performance lange nach Beginn der Aufführung plötzlich beim Sprechen der Worte „bla bla bla“ rote Farbe aus dem Mund rinnt und das weiße Hemd befleckt.

Aber auch die kräftig grün, orange oder blau geschminkten Unterschenkel und Füße des Künstlers, seine in vielen Farben gezeigten Gesichtsbemalungen oder auch die Verwendung von Materialien in ungewöhnlichem Farbton, wie auffallend gefärbter Teig oder starkfarbige Rauchschwaden sind konstituierend für die Erschaffung seiner malerischen Bildwelten.

Johannes Deimling arbeitet in seinen Performances ganz bewusst mit ausgesuchten Alltagsobjekten, welche das Publikum auch als solche erkennt. Das können einfache Stühle, Geschirr, Gießkannen aller Farbnuancen, Früchte, Brot, kleine und große Papphäuschen, Schirme, Kinderspielzeug oder natürliche Materialien wie Gras, Zweige, Blumen und Blüten und vieles andere mehr sein. Gern bezieht er in seinen Aktionen die natürlichen Gegebenheiten der Region ein, wie die Palmen in Albanien oder den roten Schlamm in den Feuchtgebieten Brasiliens. Dazu kommen immer wieder Grundelemente – wie farbiger Rauch oder Flüssigkeiten in allen Aggregat-zuständen vom Eis übers Wasser bis zum Dampf, breiig-tropfende Farben, wedelnde Ventilatorenwinde oder loderndes Feuer zum Einsatz.

Der akzentuierten Farb- und Objektwahl in den Performances entsprechen die konzeptionell scharfsinnig durchdachten, immer wieder überraschenden Bild- und Handlungsmotive des Künstlers. Deimlings Handlungssettings vertrauen zunächst ganz harmlos auf unser Alltagswissen im Umgang mit Gegenständen und Materialien. Und gerade darin liegt der besondere Trick. Denn oft beginnt der Künstler damit, vertraute Vorgänge vorzuführen, um sie ganz allmählich oder auch ganz plötzlich zu überhöhen, zu verfremden und ihren gewohnten Gebrauchs-zusammenhängen zu entreißen. Solche unüblichen, absurden Handlungsverläufe organisieren Irritationen. Und bevor wir, das Publikum, so richtig begreifen, wie unsere alten Deutungsgrenzen schwinden, um dem Poetischen des unvordenklichen Moments zu weichen, hat uns der Performer bereits in eine Laborsituation gelockt, in der wir etwas ausprobieren, was es ohne Kunst nicht gäbe:

Die absurden Szenerien ver-rücken im wahrsten Sinne des Wortes unsere Wahrnehmung und versetzen uns in eine geheimnisvoll-nachdenkliche Stimmung, in welcher die agierten Bilder ihre magische Wirkung in uns entfalten.

Von Interesse ist auch zu wissen, dass Deimling innerhalb seiner Performanceserien mit bestimmten Objekten und Motiven mehrmals, in immer wieder erweiterter und abgewandelter Form arbeitet. Sind es in der Serie One day I’m gonna make the onion cry die Getreide- und Grasbüschel, mit denen der Künstler (oft nahe am Feuer) hantiert sowie kleine Papphäuschen, in die er einsteigt und aus denen farbiger Rauch dampft, so sind es im Performancezyklus It won’t always grow back bunte Materialien wie Backstreusel, Luftschlangen oder Federn, Papierschiffe in unterschiedlicher Größe und Anzahl, der immer wieder anders bemalte oder beklebte Künstlerkopf sowie Farben, die auf der weißen Kleidung Spuren hinterlassen.

Im letzten Performancezyklus „The dance of the receptors“ (2021-2023), zu dem es auch eine während der Pandemie entstandene 11 minütige Videoarbeit gibt, arbeitet der Künstler auffallend oft mit den Insignien des häuslich gedeckten Tisches, dessen sauber-weißes Geschirr während der Performance laut scheppernd zu Bruch geht sowie mit Fahnen und Getreidekränzen, die brennend-lodernde Signale in die Landschaft setzen. In manchen Performances agiert der Künstler mit einem vor seinen Kopf gebundenen, überdimensionierten Auge, welches das Sehen eigentlich verhindernd, die Forderung an uns „Nun öffnet endlich Eure Augen und nehmt wahr!“ in lautloser Grellheit in die Runde schreit. Und immer wieder taucht ein kleines Puppenkleid auf, mit welchem der Performer spielerisch interagiert oder welches an Bäumen hängend, die rätselhaften Aktionen des Künstlers beobachtet. Nie zuvor sind Deimlings Motive so deutlich zu lesen gewesen, wie in diesem letzten Zyklus, in welchem die Bilder brennender oder zerstörter Objekte und unschuldiger Puppenkleidchen nicht nur zum rebellischen Memento sondern mehr und mehr zum wütenden Aufstand der Zeichen generieren. Immer auf dem Level vollkommenster ästhetischer Schönheit balancierend, unsere Blicke magisch anziehend, entstehen Deimlings Arbeiten als in Kraft und zugleich in Schmerz getränkte Bilder. Bilder, die mit pochender Heftigkeit Fragen stellen und visuell wie akustisch lauten Widerstand leisten.

Und genau das ist es, was Johannes Deimlings Performances so besonders und künstlerisch spannend machen. In tiefer Kenntnis um kunst- und kulturgeschichtliche Bildprogramme – vom eigenwilligen Surrealisten Rene Magritte bis zum Weltverbesserer Joseph Beuys – gelingt es dem Künstler vordergründigen Symbolwiederholungen entkommend, starke eigene Objektmetaphern zu erfinden und in den poetischen Kreislauf einzuspeisen. Doch – so klar und präzise die Ding- und Handlungsmotivik seiner agierten Bilder auch scheinen mag, so entziehen sie sich doch immer wieder fixierenden Interpretationen. Und selbst unser Verständnis für Alltagsbedeutung und Symbolgehalt verwendeter Objekte wie Brot, Fisch oder Rosen bildet nur eine allzu wacklige Brücke hin zu einem Wert, der das sichtbar gemachte Sinnliche in seiner Mehrdeutigkeit um vieles übersteigt. Kaum scheinen wir „verstanden“ zu haben, machen die nächstfolgenden Bilder innerhalb seiner Performances neue absurde, das Logische durchbrechende Angebote, welche die eben noch deutbar geglaubten Choreografien wieder in Frage stellen. Und all diesen vielschichtigen, disparaten kunst- und zeitgeschichtlichen, politischen und künstlerischen Zugängen und Beobachtungen zum Trotz entwickeln Deimlings performative Bilderfolgen dennoch immer wieder in sich stimmige, sinnlich-kommunikative Narrationslandschaften.

Letztere leiten wunderbar zu den Videoperformances sowie zu den malerischen mixed- media Arbeiten auf Papier über, die den Künstler ganz besonders seit den Zeiten der Pandemie begleiten. In letzteren finden die Kandinskyschen Grundelemente des Bildnerischen – Punkt, Linie, Fläche – geradezu traumwandlerisch ihren zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion changierenden Weg aufs Papier. So erkundet beispielsweise in der Serie BIRDS ein vogelähnliches Wesen selbstvergessen eine Welt, die sich zwischen engen Häuserschluchten und freiheitspendenden natürlichen Umgebungen entfaltet. Und in den Arbeiten der Serie From my cave experimentiert eine zum malerischen Avatar des Künstlers geronnene Figur in einem ganz beschränkten Innen-Raum mit unterschiedlichen performativen Verhaltensdispositionen. In all diesen malerisch-grafischen Bildszenerien sind die Deimling zutiefst eigenen, phantasievollen, agierten Bilder zu finden, die den Betrachter*innen starke sinnliche Sehangebote machen, ohne deren Vorstellungsräume in irgendeiner Weise einzuschränken.

Mit ähnlich atemberaubenden Bildimaginationen warten auch die site-specific visual art movies des Künstlerpaares Monika und Johannes Deimling auf. Der 43 minütige Film „A cow won’t eat foxes when the gras is dry“, der während der weltweiten Pandemie, die das Paar 2020 in Brasilien überraschte und plötzlich für drei Monate festsetzte, entstand, ist eine Hommage an die ungewöhnliche Natur, das ländliche Leben und die anders tickende Zeit im brasilianischen Outback. Bildhafte Momente der unfassbaren Schönheit der täglich neu entdeckten, fremdartigen Natur vereinen sich mit den sich surreal bewegenden Körpern der Agierenden und den absurd in die Landschaft gestellten living sculptures. Das auf starke Akzente setzende Farbempfinden der Performenden trifft sich hier mit einem ausgewogenen Gefühl für Komposition, Bildlängen und einem alles begleitenden exotischen Sound. Ich kann keine bessere Zusammenfassung dessen geben, als was der Künstler ohnehin auf seiner website vermerkt hat:

The created atmospere of the film triggers profoundly the feeling of how we live together and what is important. (Die im Film geschaffene Atmospäre erzeugt ein innigliches Gefühl darüber, wie wir zusammen leben und was wichtig ist.)

Mit diesem Credo des Künstlers, das ich gern zusammen mit seinem allgemeinen Blick auf sein performatives Kunstschaffen It’s not about what you see, it’s about what you don’t see zu einem Statement hinsichtlich seines gesamten künstlerischen Schaffens erweitern würde, möchte ich meine einführenden Worte beenden und Ihnen einen vergnüglichen, mit vielen poetischen und magischen Momenten gewürzten Ausstellungs- und Performanceabend wünschen.

Bibliographie:
Mersch, Dieter (2002): Ereignis und Aura Untersuchungen zu einer Ästhetik des Performativen. Suhrkamp Verlag Frankfurt/Main

View into the exhibition. Photographs by Monika Deimling.

Text zur Ausstellung

Rot ist das Girren deines grünen Vogels
Agierte Bilder von BBB Johannes Deimling

Die Bildwelten von BBB Johannes Deimling fordern das Publikum auf, dem Künstler auf seinen surrealen Reisen in mystische Zeitzonen zu folgen. Als „agierte Bilder“ im Hier und Jetzt scheinen sie einer fernen Vergangenheit entstiegen, in eine weite Zukunft zu weisen. Denn in ihnen ist die Logik erfahrener Zusammenhänge außer Kraft gesetzt. Im phantastischen Nacheinander ihrer Bildfolgen entstehen Visionen, die zunächst absurd erscheinend, im Moment der künstlerischen Manifestation wahrhaftig werden. Denn – im Moment der Berührung zwischen Alltäglichem, Metaphorischem und Poetischem eröffnet sich ein ungreifbarer Raum, der plötzlich genauso existent ist wie eine Emotion.

Indem Deimling vorgefundene und allseits bekannte Objekte und Handlungsmuster aus ihren gewohnten Kontexten herauslöst und in veränderter Form sinnlich so präsentiert, als wäre es ihr ursprünglicher Zweck, erfindet der Künstler eine äußerst kraftvolle und wirkmächtige Bildsprache. Aus diesen, mit verblüffender Einfachheit erzeugten, performativen Settings entwickeln sich komplexe, unvordenkliche Bildzusammenhänge, deren Auflösung ein Geheimnis bleibt.

Im Dickicht der alltäglichen gesellschaftlichen Spannungen und Herausforderungen bieten die Bildangebote des Künstlers eine Plattform, von der aus sich ein weiter Blick auf die ver-rückte Wirklichkeit eröffnet.

Die in der Ausstellung präsentierte Kombination von Photographie, Malerei, Objektkunst, Film- und Videoarbeiten gewährt einen vielseitigen Einblick in das künstlerische Schaffen von BBB Johannes Deimling. Sie versucht in ihrer Gesamtheit ein Kunsterlebnis zu vermitteln, welches der Betrachtung einer Performance des Künstlers ähnelt.

In diesem Zusammenhang sind die Photographien der polnischen Photographin Monika Deimling, die die vergänglichen Performances des Künstlers seit 2011 einfängt, von außerordentlich großer Bedeutung. Denn sie sind die einzigen Augenzeugen, welche den bei Performances so wichtigen Außenblick der Betrachtenden einfangen und für die Gegenwart aufbereiten. Neben diesen bildstarken, dokumentarischen Photographien vergangener Performances werden auch Werke aus den Entstehungsprozessen der unterschiedlichen Performancearbeiten präsentiert.

Seit vielen Jahren hat BBB Johannes Deimling einen großen Teil seiner künstlerischen Forschung in die Lehre von Performance Kunst Prozessen investiert. Neben seinen zahlreichen, internationalen Lehraufträgen hat er 2008 das Kunst- und Bildungsprojekt PAS | Performance Art Studies gegründet, dessen künstlerische Leitung ihm seither obliegt. Denn die Lehre, oder „der Transfer von Erfahrung“ wie Deimling sie bezeichnet, ist eine Form des künstlerischen Arbeitens, der er den gleichen Stellenwert wie seinen Performances, Videos und Malereien einräumt. Insofern ist es sehr begrüßenswert, dass der Künstler im Rahmen seiner Ausstellung mehrere Performance-Workshops anbietet.

Folgende Workshop-Projekte finden in den nächsten Wochen statt:

5. – 8. April 2024: “Course of Action“ mit Studierenden der Pädagogischen Hochschule, Schwäbisch Gmünd
21. – 24. Mai 2024: “Colorblind” in Zusammenarbeit mit der Jungendkunstschule Schwäbisch Gmünd
25. – 26. Mai 2024: „Performance Kunst? Performance Kunst!“ in Zusammenarbeit mit der VHS Schwäbisch Gmünd

Text about the exhibition

Red is the cooing of your green bird

The visual worlds of BBB Johannes Deimling invite the audience to follow the artist on his surreal journeys into mystical time zones. As “acted images” in the here and now, they seem to have emerged from a distant past and point to a distant future. For in them, the logic of experienced contexts is suspended. In the fantastic succession of their image sequences, visions emerge that at first seem absurd but become real at the moment of artistic manifestation. For – at the moment of contact between the every day, the metaphorical, and the poetic, an intangible space opens up that is suddenly just as existent as an emotion.

Deimling invents an extremely powerful and effective visual language by detaching found and familiar objects and patterns of action from their usual contexts and presenting them sensually in a modified form as if it were their original purpose. These performative settings, created with astonishing simplicity, develop into complex, unimaginable pictorial contexts whose resolution remains a mystery. 

In the thicket of everyday social tensions and challenges, the artist’s pictorial proposals offer a platform from which a broad view of the twisted reality is revealed.

The combination of photography, painting, object art, film, and video works presented in the exhibition provides a broad insight into the artistic work of BBB Johannes Deimling. In its entirety, it attempts to convey an artistic experience that resembles the experience of watching a performance by the artist.

In this context, the photographs by Polish photographer Monika Deimling, who has been capturing the artist’s ephemeral performances since 2011, are of extraordinary importance. They are the only eyewitnesses that capture the viewers’ external perspective, which is so important in performances, and prepare them for the present. In addition to these powerful documentary photographs of past performances, works from the development processes of the various performance works are presented.

For many years, BBB Johannes Deimling has invested a large part of his artistic research in the teaching of performance art processes. In addition to his numerous international teaching positions, he founded the art and education project PAS | Performance Art Studies in 2008 and has been its artistic director ever since. Teaching, or “the transfer of experience” as Deimling describes it, is a form of artistic work to which he assigns the same importance as his performances, videos, and paintings. In this sense, it is very welcome that the artist is offering several performance workshops as part of his exhibition.

The following workshop projects will take place over the next few weeks.

5 – 8 April 2024: “Course of Action” with students from the University of Education Schwäbisch Gmünd
21 – 24 May 2024: “Colorblind” in collaboration with the Schwäbisch Gmünd Youth Art School
25 – 26 May 2024: “Performance art? Performance art!” in collaboration with the VHS Schwäbisch Gmünd